PRESSEBERICHTE

SCHÖFFENGERICHT ROSENHEIM Mit der Pistole Ex-Freundinnen bedroht Unter Drogen machte ein 24-jähriger Hilfsarbeiter Jagd auf frühere Freundinnen. Nicht zum ersten Mal war der Maschinenführer aus Fürstenfeldbruck nun angeklagt. Das Schöffengericht in Rosenheim schickte ihn zum wiederholten Mal hinter Gitter. Bruckmühl/Feldkirchen-Westerham – Wegen Betruges und Drogenvergehen wurde der 24-Jährige bereits als Jugendlicher zu zwei Haftstrafen verurteilt. Besonders belastend im Fall, der nun verhandelt wurde: Er stand zur Tatzeit noch unter doppelter, offener Bewährung. Dessen ungeachtet versuchte der Angeklagte am 16. Dezember 2016, in die Wohnung eines Zeugen aus Feldkirchen-Westerham einzudringen. Er verlangte, mit seiner Ex-Freundin zu sprechen. Da der Zeuge nicht öffnete, zog der Hilfsarbeiter eine Pistole und drohte damit, das Türschloss einzuschießen. Danach versuchte er mehrmals, die Tür einzutreten, was ihm nicht gelang. Trotz einer Durchsuchung wurde die Waffe bei dem Angeklagten nicht gefunden. Dass sich die Bedrohten die Anschuldigung nicht aus den Fingern gesogen hatten, wurde jedoch durch zwei Attacken gegen eine weitere frühere Lebensgefährtin des Angeklagten deutlich. Es handelte sich um eine eher unklare Beziehung – so gab es, trotz eines zwischenzeitlichen gerichtlichen Kontaktverbots, intime Kontakte, die von der Frau ausgingen. Randaliert und die Ex getreten Am 7. August 2017 blockierte der 24-Jährige dann jedoch mit seinem Auto die Sonnenwiechser Straße in Bruckmühl und bedrängte die Frau in ihrem Auto. Er schlug zunächst auf die Windschutzscheibe. Als seine Ex-Freundin das Fahrzeug verlassen hatte, trat er ihr gegen den Oberschenkel. Nur das Eingreifen von Passanten verhinderte Schlimmeres. Damit nicht genug: Der Angeklagte verfolgte die Frau am 10. Dezember 2017 gegen 21.45 Uhr mit seinem Auto durch die Göttinger Straße bis Heufeldmühle. Schließlich feuerte er aus dem fahrenden Auto mit der Schusswaffe, die er bereits 2016 verwendet hatte, auf den Wagen der Frau und dessen Rückspiegel. Dabei bedrohte er sie und ihre Familie auch verbal mit Mord und Totschlag. Die Waffe wurde als Maschinenpistole mit Luftdruck- oder CO2-Gerät identifiziert. In den Ermittlungen wurde bald klar, dass es sich bei dem Angeklagten um einen drogenabhängigen Suchttäter handelt. Er selber räumte ein, dass er unter Einfluss von Speed und Kokain zu unkontrollierten Verhaltensweisen neige. Verteidiger Rechtsanwalt Walter Holderle bat um ein Rechtsgespräch. Er machte darin deutlich, dass sich sein Mandant seiner Drogenprobleme bewusst sei und hoffe, dass ihm das Schöffengericht unter dem Vorsitz von Richter Stefan Tillmann eine Therapie in einer geschlossenen Anstalt zubillige. Bewährung war nicht möglich Nachdem der psychiatrische Gutachter, Professor Dr. Michael Soyka, den Nutzen einer solchen Maßnahme bestätigte, bot das Gericht einen Verständigungsvorschlag an. Falls der Angeklagte umfassend gestehe, sei eine Strafe zwischen 15 und 21 Monaten Haft vorstellbar. Eine Bewährungsstrafe kam nicht mehr in Betracht. Zwei kleinere Drogenvergehen wurden angesichts der zu erwartenden Strafe nicht weiter verfolgt. Die Staatsanwaltschaft beantragte den oberen Strafrahmen aus der Verständigung. Der Verteidiger nahm dagegen die untere Grenze von 15 Monaten ins Visier. Beide plädierten dafür, den Mann in geschlossene Therapie zu schicken. Das Schöffengericht unter dem Vorsitz von Richter Stefan Tillmann verhängte schließlich eine Haftstrafe von 19 Monaten, die der Verurteilte mittels der Therapie verbüßen kann. au JUGENDSCHÖFFENGERICHT ROSENHEIM Arbeitgeber gleich mehrfach bestohlen Das Jugendschöffengericht Rosenheim verurteilte zwei junge Bruckmühler wegen mehrfachen beziehungsweise gemeinschaftlichen Diebstahls in besonders schwerem Fall zu Jugendstrafen von einem Jahr und zehn Monaten zur Bewährung beziehungsweise einem Jahr und sechs Monaten auf Vorbewährung. Bruckmühl – Ein Bäckerlehrling hatte seinen Arbeitgeber innerhalb weniger Wochen gleich mehrmals bestohlen. Er entwendete bei vier Gelegenheiten im vergangenen Jahr Bargeld und einen Goldbarren im Wert von insgesamt gut 14 000 Euro aus den Geschäftsräumen der Bäckerei. Obwohl ihm seine innere Stimme geraten habe, mit dem Stehlen aufzuhören, habe er immer mehr Geld gewollt, das er überwiegend für Feiern und Essen ausgegeben habe, sagte der junge Mann vor Gericht. Auf dem Volksfest hatte er dann einen Bekannten getroffen und ihn in die Herkunft des plötzlichen Geldsegens eingeweiht. Da der Bruckmühler auch knapp bei Kasse war, beschlossen die beiden einen gemeinsamen Diebeszug. Beutezug mit Bekanntem Mit einem zuvor entwendeten Schlüssel drangen sie in die Geschäftsräume der Bäckerei ein und entwendeten 2131 Euro Bargeld sowie andere Gegenstände – unter anderem eine Videokamera, eine Fotokamera, ein Smartphone und ein Tablet. Die Beute versteckten die beiden in einer Reisetasche auf einem angrenzenden Grundstück, ehe sie aufs Volksfest zurückkehrten. Das Diebesgut wurde jedoch kurze Zeit später zufällig von einem Diensthundeführer beim Spaziergang entdeckt. Die beiden Männer konnten festgenommen werden. Das Jugendschöffengericht verurteilte den 20-jährigen Auszubildenden wegen Diebstahls und gemeinschaftlichen Diebstahls in besonders schwerem Fall zu einer Jugendstrafe von einem Jahr und zehn Monaten auf Bewährung, einem Freizeitarrest und 80 Stunden gemeinnütziger Arbeit. Zu seinen Gunsten wurde gewertet, dass er bisher strafrechtlich noch nicht in Erscheinung getreten war. Sein gleichaltriger Kumpane wurde zu einer Einheitsjugendstrafe von einem Jahr und sechs Monaten, einem vierwöchigen Dauerarrest und ebenfalls 80 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt. Er war zwar nur an einer Straftat beteiligt, hatte jedoch eine gewichtige Vorahndung unter offener Bewährung mitgebracht. Ob eine weitere Strafaussetzung zur Bewährung erfolgen kann, muss er in den kommenden sechs Monaten erst beweisen. Damit war das Jugendschöffengericht weitgehend dem Antrag der Anklagevertretung gefolgt, die allerdings für eine Vollzugsstrafe plädiert hatte. Im Fall des Bäckerlehrlings stellte Staatsanwalt Dr. Oliver Mößner die Schwere der Schuld aufgrund der Anzahl von Diebstählen in kurzer Zeit, der Schadenshöhe von über 16 000 Euro und des besonderen Vertrauensverhältnisses zum Arbeitgeber heraus. Positiv wurden bei beiden Angeklagten das Geständnis und die Schadenswiedergutmachung gewertet. „Mitgefangen – Mitgehangen“ – lautete in diesem Zusammenhang die Devise beim Mittäter. Er habe zur Hälfte Wiedergutmachung für den Gesamtschaden geleistet, obwohl er nicht an allen Taten beteiligt war und die Gegenstände aus seiner Straftat zurückgegeben wurden, betonte dessen Verteidiger Walter Holderle. Sein Mandant habe einen Fehler gemacht und erst im Nachhinein realisiert, „wo er da reingerutscht“ sei. Er habe daraus gelernt, seine Lebensumstände sowie auch seinen Freundeskreis geändert. Rechtsanwalt Dinko Grgic betonte für seinen Mandanten, dass dieser in Versuchung geraten sei und sich habe hinreißen lassen. Er habe Geld gebraucht. Sein Vater habe die Hand auf sein Lehrlingsgehalt gehalten. Er sei Ersttäter. Deshalb sollte die Strafe zur Bewährung ausgesetzt werden. Richterin Verena Köstner machte deutlich, dass das Schöffengericht dem Prozess- und Nachtatverhalten einen hohen Stellenwert eingeräumt hatte. Die Angeklagten hätten sich einsichtig gezeigt und seien für ihre Taten eingestanden. Das sei letztlich auch der Grund gewesen, dass die Angeklagten das Gericht als freie Männer verlassen konnten. Dennoch bräuchten beide mit Warnschussarrest und Sozialstunden einen Denkzettel. Besserung des Verhaltens beweisen Vor allem der bereits vorgeahndete Angeklagte müsse Anhaltspunkte dafür liefern, dass ein Änderungsprozess eingesetzt habe und die Strafe nicht vollstreckt werden müsse. Schließlich sei er nur wenige Tage nach der Verurteilung zu einer Bewährungsstrafe wegen Beleidigung und Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz erneut straffällig geworden. ca

 

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